Geschichte

Bad Reichenhaller Philharmonie

Bad_Reichenhall_Geschichte

Um 1858, mehr als 30 Jahre bevor Reichenhall den Namenszusatz „Bad“ erhält, finden sich erste Hinweise auf eine Reichenhaller „Bademusik“, die von Konrad Landrichinger geleitet wird. Diese Blaskapelle wird 1868 durch den Königlich-Preußische Musikdirektor Joseph Gung’l übernommen, der bald durch das so genannte Bad- Commitée mit der Gründung eines großen Orchesters beauftragt wird. Dieses erste Bad Reichenhaller Orchester ist so erfolgreich, dass es nach kurzer Zeit von 18 auf 21 Musiker erweitert wird.

Von 1870 bis 1879 leitet der Königlich-Bayerische Musikdirektor und Militärkapellmeister Karl Hünn das Orchester. Vergeblich versucht er, eine Vergrößerung des Orchesters zu erreichen. Zwar spielt das Ensemble kurzzeitig mit 27 Musikern, doch wird es aus finanziellen Gründen wieder verkleinert.

1879 bis 1921 wird der Großherzoglich- Mecklenburgischer Kammermusiker Gustav Paepke Leiter des Orchesters. Ihm gelingt es, das Orchester bis auf die heutige Größe von 40 Musikern zu erweitern, so dass es neben der gehobenen Unterhaltungsmusik auch symphonische Orchesterliteratur spielen kann. 1905 erreicht er sogar noch eine Vergrößerung auf 44 Musiker. In seine Amtszeit fallen der Bau des Königlichen Kurhauses und der Wandelhalle (heute „Konzertrotunde“) als Spielstätten für das Orchester.

Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs setzt der Bad Reichenhaller Orchestertradition ein vorläufiges Ende. Zwischen den beiden Weltkriegen spielt das „Pfalzorchester“ in Bad Reichenhall, geleitet von Kapellmeister Florenz Werner.

 

Nach dem zweiten Weltkrieg

Nach dem Zweiten Weltkrieg prägt vor allem Dr. Wilhelm Barth das Orchester, das er von 1947 bis 1957 und von 1962 bis 1984 leitet.

Seine Nachfolger als Künstlerische Leiter und Chefdirigenten sind Christian Simonis (1985 bis 1990), in dessen Amtszeit die Einweihung des Bad Reichenhaller Theaters fällt, und Klaus-Dieter Demmler (1990 bis 2003).

Beide treiben intensiv – mit jeweils eigenen Akzenten – die Profilierung der Bad Reichenhaller Philharmonie als Kulturorchester der Region voran, ohne jemals die Bewahrung und Entwicklung der Tradition der Kurmusik zu vernachlässigen.

1997 erzwingt die Auflösung der Staatlichen Kurverwaltung und Gründung der „Kur-GmbH Bad Reichenhall/Bayerisch Gmain“ neue Formen der Zusammenarbeit mit dem Orchester. Betriebswirtschaftliche Kriterien treten an Stelle staatlicher Versorgung, die Konzertangebote des Orchesters müssen neu begründet und ihre Finanzierung muss neu gerechtfertigt werden.

Nebenberuflich und im Ehrenamt begründen die Vorstände des Trägervereins Dr. Richard Griß und Stephan Hüfner zusammen mit Vereinsgeschäftsführer Frank Starke eine neue Identität des ehemaligen Kurorchesters als Philharmonie und definieren in einem strategischen Managementprozess Ziele, Ausrichtungen und wirtschaftliche Prozesse neu.

Von 2003-2012 wirkte Thomas J. Mandl als Chefdirigent und künstlerischer Leiter. Mit seinem Werk waren die Einbettung konzertanter Opern und Operetten in den philharmonischen Musiktagen verbunden.

Schnell wachsende Verwaltungsaufgaben, verbunden mit Eigenveranstaltungen, Gastspielen und neuen Konzertformaten erfordern 2007 die Einrichtung einer hauptamtlichen Intendanz.

Erster Intendant der Bad Reichenhaller Philharmonie wird Stephan Hüfner.

Seit Juli 2015 ist Generalmusikdirektor Christian Simonis Chefdirigent und Künstlerischer Leiter der Bad Reichenhaller Philharmonie.

 

JOSEF GUNG`L

Josef_Gungl

JOSEF GUNG’L , am 1. Dezember 1809 in Schambeck, Ungarn geboren, trat 1828  in das 5. Artillerie-Regiment in Pest ein. 1835 kam er 26-jährig als Militärmusiker zum 4. Artillerie-Regiment nach  Graz. Gung`l war als Regimentskapellmeister sehr beliebt. Seine Kompositionen fanden allgemeinen Beifall. Er war einer der ersten Militärkapellmeister der bei seinen Veranstaltungen den Blasinstrumenten auch die Streichinstrumente hinzufügte; das hatte zur Folge, dass er den Ruf eines „Grätzer Lanner“ bekam. Der Berliner Verlag Bote & Bock wurde auf den jungen Musiker aufmerksam und verlegte in den folgenden Jahren über 400 Werke von Josef Gung`l.

1843 heiratete er die 22-jährige Grazerin Cajetana Reichel, die ihm fünf Töchter schenkte. Tochter Cajetana heiratete Gustav Paepke, der von 1878 bis 1921 Dirigent der Bad Reichenhaller Philharmonie war. 1843 nahm Gung`l Abschied von seinem Regiment und bildete eine eigene Kapelle. Nach Erfolgen in Linz, Salzburg, München, Augsburg und Nürnberg traf er im Oktober 1843 in Berlin ein. Gung’l bewährte sich durch seine Qualitäten als Dirigent, Orchester-Erzieher und geschickter, ideenreicher Organisator und Programmgestalter. In kurzer Zeit beherrschte er das Konzertwesen der Stadt und drückte ihm seinen Stempel auf. Die Berliner Presse schrieb „er hat Berlin gunglisiert“.

Reisen führten ihn durch Deutschland, Österreich, Holland, Schweden, Frankreich, Schweiz, Russland und Amerika. Die Leitung der Sommerkonzerte in Pawlowsk bei St. Petersburg  hatte er sechs Jahre inne. Von 1856 bis 1864 war er Kapellmeister des Inf. Rgt. Nr. 23 „Airoldi“ in Brünn. 1863 bekam Gung’l eine Einladung der in München 1843 nach seinem damaligen Gastspiel gegründeten „Musikgesellschaft a la Gung’l“. Ende 1864 dachte man an eine dauernde Zusammenarbeit mit ihm. Gung’l quittierte seinen Militärdienst und zog Ende 1864 mit seiner Familie nach München, wo er wieder große Erfolge feiern konnte. Die endgültigen Vertragsverhandlungen mit der „Musikgesellschaft a la Gung’l“ scheiterten aber an seinen finanziellen Forderungen. Nachdem er ein eigenes Orchester zusammengestellt hatte, begann Anfang 1865 seine Konzerttätigkeit in München. Unter den zahlreichen zivilen und militärischen Blaskapellen nahm sein Orchester bald eine Sonderstellung ein.

1867 nahm das Badekomitee in Bad Reichenhall mit Josef Gung`l in München die Verbindung auf. Der aufstrebende Kurort wollte eine adäquat gestaltete und musizierte Kurmusik für seine Gäste. Der erste Kurmusikvertrag mit Josef Gung`l trägt das Datum 6. Februar 1868 und kann somit als das Gründungsdatum der Bad Reichenhaller Philharmonie angesehen werden.

1872 zog Josef Gung`l wieder nach Berlin, wo er ein Engagement im „Concert-Haus“ antrat. Im Sommer 1873 konzertierte er als Gastdirigent in Warschau und im Herbst 1873 dirigierte er in London im Rahmen der Promenadenkonzerte seine Tanzkompositionen. Für die Herbstveranstaltungen 1874, 1875 und 1880 in London wurde er erneut engagiert. Sein letzter Triumph war die Leitung der vier berühmten Opernbälle in Paris im Januar/Februar 1881. Die letzten Lebensjahre verbrachte er bei seiner Tochter Virginie, einer erfolgreichen Opernsängerin. Er begleitete sie an die Orte ihrer Engagements – zuletzt nach Weimar. Dort starb er am 1. Februar 1889.

 

Der Förderverein

Getragen wird die Bad Reichenhaller Philharmonie von einem gemeinnützigen Verein, dessen Mitglieder mit großem ideellem und finanziellem Engagement den Fortbestand des Orchesters sichern.

Für alle Liebhaber und Freunde der Bad Reichenhaller Philharmonie bietet dieser Verein die ideale Möglichkeit, das Orchester zu unterstützen und seinen Fortbestand zu sichern. Auskünfte erteilt gerne das Orchesterbüro unter Tel. 08651 / 762 808 0.

 

 

 

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